Landlust-Zuhaus

Denkmal

 

In der von Ubbo Emmius um 1600 gezeichneten Karte „Frisia orientalis“ ist der Bereich des jetzigen Kleinen Schulenburger Polders noch als Teil der Nordsee dargestellt.

Dort, wo um das Jahr 1600 eine große Bucht zu sehen ist, befand sich bis zu den großen Dionysiusfluten (der Tag des Heiligen Dionysius ist der 9.Oktober) am 9 Oktober 1374 und vom 8. bis zum 10. Oktober 1375 der Ort Westeel, der Stammsitz der Häuptlingsfamilie Manninga.

Ubbo Emmius schrieb dazu in den 1590er Jahren:

„Am 9. Oktober 1373 (!) erfolgte eine große Überschwemmung, wie sie seit Menschengedenken nicht gewesen war, welche sich über die ganze friesische Küste erstreckte und den Einwohnern zu schwerem Unglück gereichte. Denn sie bedeckte das ansehnliche Dorf Westeel, in einer fruchtbaren Gegend fast 2000 Schritte im Süden von Norden gelegen und gegen Aufgang der Sonne Osten schauend mit einer solchen Menge Wassers, dass alle Gebäude mit der Kirche niedergerissen und zerstört wurden, ja ein Teil des Bodens verschlungen ist und Menschen und Tiere verschwanden.“

Von Osten her begannen die Menschen in den folgenden Jahrhunderten das verlorene Land wieder einzudeichen. Zuerst wurden vor dem Außendeich Buhnen angelegt (senkrecht zur Deichlinie verlaufende, mit Reisig gepackte Pfahlreihen) wie sie auch heute noch zu sehen sind. Durch die Buhnen verringert sich die Fließgeschwindigkeit des Wassers, Schlick setzt sich in diesen Bereichen ab. Wenn genug Schlick angelandet war, wurden die Buhnenfelder seeseitig so geschlossen, dass eine Öffnung für das ein- und Ausströmende Wasser blieb. Dadurch beschleunigt sich das Anlanden.

Durch das Anlanden bildet sich ein Heller, ein mit Gras bewachsenes Landstück vor dem Außendeich, das früher von Kühen beweidet wurde. Wenn ein ausreichend großes Gebiet genügend angelandet war, wurde eine neue Deichlinie vor den bis zu diesem Zeitpunkt als Außendeich dienenden Deich gezogen.

Der Bereich zwischen dem ehemaligem Außendeich (der mit der Neueindeichung zum Schlafdeich wurde) und dem neuen Deich nennt sich Polder.

Der Klein Schulenburgerpolder sollte ursprünglich zusammen mit dem nach Norden sich anschließenden Groß Schulenburgerpolder als Schulenburgerpolder eingedeicht werden. Der Polder sollte dem damaligen „Minister von der Schulenburg zu Ehren so benennet“ werden.

Während oder kurz nach der Eindeichung, die auf 1774 datiert werden kann, kam es zu einem Deichbruch, vermutlich in dem im Satellitenbild mit blauem Pfeil gekennzeichneten Bereich. Da sich an der Stelle eines Deichbruchs in der Regel eine tiefe Ausspülung im Boden bildet (ein Kolk) ist es sehr schwer, einen gebrochenen Deich in der alten Linie wieder zu schließen.

Deshalb, und weil sich die an der Eindeichung beteiligten Personen nicht über das weitere Vorgehen in dem vom Deichbruch betroffenen südlichen Teil einigen konnten, hat man den Groß Schulenburgerpolder nach Süden mit einem Flügeldeich zum späteren Klein Schulenburgerpolder hin geschlossen. Damit war das meiste Land geschützt und die Reparatur des Deichbruchs konnte betrieben werden. Vermutlich aufgrund der Auskolkung an der Stelle des Deichbruchs wurde die neue Deichlinie etwas nach Osten versetzt gezogen.

Vermutlich in den 1780er Jahren hat man das Scheunenende des Gulfhofes Klein Schulenburgerpolder errichtet, 1842 wurde das heutige Wohnende neu gebaut. Mit ca. 46 ha bestem Marschboden war der Klein Schulenburgerpolder für etwa 150 Jahre Lebensgrundlage zuerst für eine Bauernfamilie mit Mägden und Knechten und später nur noch für eine Bauernfamilie.

Vor ca. 20 Jahren wurden die landwirtschaftlichen Flächen mit zunehmender Technisierung immer größer, die Wirtschaftlichkeit eines Betriebs mit 46 ha Land schwand zunehmend. Heute (2015) werden etwa 200 ha Land für einen funktionierenden Ackerbaubetrieb benötigt.

Im Jahr 2011 wurde der Klein Schulenburgerpolder von einem größeren Ackerbaubetrieb übernommen, das Hofgebäude wurde in diesem Moment für den Betrieb der Landwirtschaft endgültig entbehrlich. In dem Gebäude lassen sich weder moderne landwirtschaftliche Maschinen unterbringen, noch ist eine zeitgemäße Tierhaltung darin möglich.

Um das Gebäude samt Scheune erhalten- und sinnvoll nutzen zu können, erfolgte von 2013 bis 2014 der Einbau von Ferienwohnungen in das Vorderende.